Eremitage

Vier Kilometer außerhalb Siegens liegt an der B54 in Richtung Wilnsdorf die kleine Wallfahrtskapelle Eremitage, welche im Jahre 1684 im Auftrag der Siegener Jesuiten erbaut und von Bruder Anton Hülse als mit vier Apsiden versehene sogenannte Rotunde konzipiert wurde.

Sie ist Nachfolgerin einer im dreißigjährigen Krieg zerstörten Marienkapelle, die einst zwischen Rödgen und Oberdielfen bestand.



Unter der Kuppel der Kapelle Eremitage befindet sich seit 1707 das Grab des 1703 in jugendlichem Alter verstorbenen letzten katholischen Erbprinzen Franz Joseph, Sohn des Fürsten Wilhelm Hyazinth. Zunächst wurde die Kapelle von dem Jesuitenbruder Konrad Manz (+1733) betreut, welcher dort als Eremit lebte, woraus sich auch der Name "Eremitage" ergibt. Sein Grab befindet sich in Nähe der Kapelle vor dem kleinen Heiligenhäuschen mit der Figur des hl. Ignatius von Loyola.


Das Gebäude direkt neben der Kapelle war zuerst Eremitenklause, heute Sakristei. Der größere, später errichtete Anbau diente den Wallfahrern als Pilgergaststätte, genannt „Schenkwirtschaft“.


Als auf Initiative von Pfarrer Wilhelm Ochse 1953 ein Konvent von Schwestern der hl. Klara Einzug hielt, diente dieses Gebäude den Klarissen vorübergehend als Kloster, bis 1966 ein neues Klostergebäude samt Kapelle in unmittelbarer Nähe bezogen werden konnte. In dem erwähnten alten Kapellenanbau einschließlich der Nebengebäude befindet sich seit Herbst 1993 eine vom Caritas-Verband geführte Tagespflegestätte für Senioren. Mit dem Einzug der Nonnen wurde die Gaststätte einige Meter weiter in das damals neu errichtete und noch heute bekannte Gebäude verlegt.


Die Wallfahrtsanlage mit sogenanntem "Siegener Kreuzweg" hinter der Kapelle wurde zu Beginn der 1930er Jahre erbaut und war von Pfarrer Ochse als ein Zentrum für die Katholiken des Siegerlandes gedacht. Die Kreuzwegstationen aus dem Jahre 1933 stammen von dem Künstler Hermann Kissenkötter aus Münster. Die Kapelle selbst brannte im letzten Kriegsjahr 1945 vollständig aus. Der alte Hochaltar und die Pieta wurden dabei zerstört.

In der Wallfahrtsanlage befinden sich auch die Gräber von Pfarrer Wilhelm Ochse (+1960) und seiner Mutter. Pfarrer Ochse hatte sich um die Eremitage besonders verdient gemacht und nach seiner Pensionierung in dem Haus an der Straße nach Niederdielfen gelebt. Dort und in den Gebäuden der heutigen Tagespflege fanden über viele Jahrzehnte Stadtranderholungen für Mütter und Kinder statt, die von St. Marien aus organisiert wurden. 1997 erhielt die Anlage einen neuen Zelebrationsaltar, ebenso wurde die barocke Kreuzigungsgruppe, einst von Düringer  (Rüblinghausen) hergestellt, renoviert.


Der jetzige Barockaltar der Gnadenkapelle stammt aus dem Jahr 1736 und befand sich ursprünglich in der Klosterkirche Dalheim. Nach der Säkularisation gelangte er in die Herz-Jesu-Kirche Brackwede. Er wurde 1961 von der Mariengemeinde von dort erworben. Das Altarbild stellt den Tod des hl. Joseph dar.




Die Pieta in der Kapelle hat 1961 die Düsseldorfer Künstlerin Else Hoffmann angefertigt. In der Kuppel sind Darstellungen der vier Evangelisten zu sehen.









Noch heute zieht am Karfreitag und am Sonntag nach dem Fest Maria Heimsuchung (2.Juli), dem Patronatsfest der Kapelle, eine Prozession von Siegen zur Eremitage, wo dann im Freien gemeinsam mit Katholiken aus Dielfen und Rödgen die Eucharistie gefeiert wird. Im Mai führt auch die alljährlich stattfindende Familienwallfahrt der KAB des Dekanates Siegen auf die Eremitage.


In der Wallfahrtskapelle wird in der Regel an jedem Donnerstag um 15.00 Uhr die hl. Messe gefeiert, ursprünglich als Abschluss einer wöchentlichen Prozession. Denn von Mai bis Oktober zog über Jahrhunderte vom Waldesrand am Lindenberg die Prozession zur Eremitage, wobei unterwegs an den Stationen am Weg der sieben Schmerzen Mariens im Gebet gedacht wurden.

Auch heute noch ist die Eremitage ein beliebtes Ziel pilgernder Menschen, die sich hier gläubig versammeln und auch in der Stille die Mutter Gottes aufsuchen.

Matthias Weißner